Ratgeber

Wenn Eltern erfahren, dass ihre Kinder von Legasthenie und/oder Dyskalkulie betroffen sind, gehen sie zunächst davon aus, dass ihr Kind in der Schule gefördert wird und eine darüber hin­aus notwendige Therapie von den Krankenkassen übernommen wird. Ungläubig stellen viele dann fest, dass die Schulen nicht angemessen fördern können und dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. Mühsam suchen die Eltern nach einem Ausweg und erfahren dabei leider oft nicht die notwendige Hilfe und Unterstützung, sondern sehen sich einem Zuständig­keitsgerangel zwischen Jugendämtern, Schulbehörden und Krankenkassen ausgesetzt. Wir wollen vor allem betroffenen Eltern einen Überblick über die verschiedenen Leistungsträger und ihre Zuständigkeiten und über das Verfahren auf Beantragung von Eingliederungshilfe geben. Bitte wenden Sie sich an unser Beratungstelefon oder die Ansprechpartner in den Landesverbänden.

Elterninformation zum Thema Schulrecht

Täglich erreichen uns am Beratungstelefon des BVL, bei den Landesverbänden, in der Geschäftsstelle und per Mail die gleichen Anfragen: "Mein Kind ist Legastheniker. In der Schule wird auf seine Legasthenie keine Rücksicht genommen. Es hatte in der letzten Deutscharbeit eine 5, da seine Fehlerzahl zu hoch war. Der Lehrer sagte mir, dass es eine 3 (-) bekommen hätte, wenn diese Fehler nicht gewesen wären. Nun machen wir uns Sorgen, wie es überhaupt die Abschlussprüfung seiner Schule schaffen kann, wenn auf seine Legasthenie keine Rücksicht genommen wird? Ganz zu schweigen von einem Übertritt auf eine höhere Schulform, für die es nach Ansicht seiner Lehrer durchaus geeignet wäre, wenn die Rechtschreibung besser wäre? Wie können wir am sinnvollsten vorgehen, um sein Recht geltend zu machen? Auch ich bin von Legasthenie betroffen und heute erfolgreich selbständig in meinem Beruf tätig. Wie sollen wir es nur schaffen, dass auch unser Kind mal so weit kommt?" Die Frage, wie es zu schaffen ist, dass in den Schulen auf die Legasthenie Rücksicht genommen wird, und zwar bis zur letzten schulischen Abschlussprüfung, beschäftigt den BVL seit seinem Bestehen.

Unsere Mitglieder finden im Mitgliederbereich eine umfassende Elterninformation

Sonderheft Chancengleichheit

Durch die aktuellen gerichtlichen Entscheidungen aus dem Jahr 2006 haben wir uns aufgefordert gesehen, grundlegend rechtsgutachterlich prüfen zu lassen, welche Rechte Legasthenikern aus dem Grundgesetz zustehen. Das vorliegende Gutachten von Frau Prof. Dr. Langenfeld, Universität Göttingen, zeigt deutlich auf, dass sich aus den Grundrechten für Legastheniker ganz eindeutige Rechte und die Notwendigkeit neuer Regelungen auf schulischer Ebene ableiten lassen. Die wesentlichen und grundlegenden Aussagen haben wir in den folgenden Kernaussagen des Gutachtens zusammengefasst. Damit Sie als Leser einen Bezug zu den Rechtsansprüchen sowie zu den wichtigsten verfassungsrechtlichen Grundsätzen herstellen können, haben wir einen kleinen Exkurs in die wesentlichen Vorschriften des Grundgesetzes gemacht.

Der folgende Rechtsprechungsteil zeigt auf, dass die Gerichte diese Grundsätze in ihren Urteilen anwenden, eine klare Aussage zu dem Störungsbild der Legasthenie treffen und damit eine Abgrenzung zu der Gruppe von rechtschreibschwachen Kindern mit vorübergehenden Beeinträchtigungen vornehmen. Wir greifen diese Notwendigkeit der Differenzierung in unserer "Begriffsbestimmung Legasthenie" wieder auf und zeigen anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Störungsbild der Legasthenie, dass hier eine besondere Verantwortung besteht, diesen Kindern schulisch gerecht zu werden. An dieser Stelle möchten wir darauf verweisen, dass wir den Begriff der Lese-/Rechtschreibstörung aus dem ICD-10 mit dem Begriff Legasthenie gleichsetzen.

In der Konsequenz aus den dargestellten Rechten von Legasthenikern bedarf es einer deutlichen Reform der aktuellen schulischen Regelungen, die in der jetzigen Form verfassungswidrig sind. Mit der Formulierung unserer Positionen und Forderungen möchten wir aufzeigen, welche Rahmenbedingungen für Legastheniker geschaffen werden müssen, um ihnen Chancengleichheit zu gewähren und Diskriminierung zu vermeiden.

Hier finden Sie unser Sonderheft Chancengleichheit